23.08.2017
 
 
 

Reisebericht Ulrike Nußbaum

Romreise zum Eisernen Priesterjubiläum des
emeritierten Papstes Benedikt XVI.

Sehr früh am Morgen des 28. Juni 2016 waren wir unterwegs, zwei Busse, die von Traunstein bis Miesbach viele Benedikt- Fans eingeladen hatten: Musiker, Gebirgsschützen, Trachtler, Pfarrer, Bürgermeister, ein Landrat. Die Reise war sehr gut vorbereitet. An endlosen blühenden Oleanderbüschen entlang erreichten wir Rom gegen Abend und wurden –Tiber aufwärts und abwärts fahrend – mit ersten Informationen über die Ewige Stadt versorgt. Das erste große Ereignis traf uns unerwartet. Hans Wembacher, unserer Reiseleiter wollte die ersten Passagiere beim Hotel am Rande des Vatikans aussteigen lassen, aber auch 50 Paar Weißwürst, Senf und Traunsteiner Bier sollten ausgeladen werden: Dinge, die Erzbischof Georg Gänswein bestellt hatte. So dirigierte er den Bus kurz vor einer Kreuzung auf die rechteste Spur. „Des macha ma jetzt so“ sagte er und ließ anhalten. Schnell sollte ausgestiegen bzw. ausgeladen werden. Es dauerte aber. Schon bald hatte der haltende Bus die Aufmerksamkeit zweier Polizisten schräg gegenüber an der Kreuzung erregt. Der junge Beamte blieb gelassen, aber seine Kollegin winkte uns immer energischer weiter zu fahren und benutzte die Trillerpfeife. Unser Reiseleiter ging hinüber. Es war eine deutliche Pantomime zu beobachten, die wir alle verstanden. Sie schien sich dreimal abzuspielen. Ja, es musste Zeit geschunden werden, damit das Ausladen beendet werden konnte. Plötzlich wurde jedoch auf der Straßenseite der Gepäckraum des Buses geöffnet. Ein Tragerl Bier fehlte noch, die Trommel stand davor und musste heraus auf die Fahrbahn. Da kam die Polizistin wie eine Furie über die Kreuzung geschossen und gab brüllend ihre Anweisungen. Ihr Kollege versuchte sie zu stoppen, vergebens! Die Erwähnung des Namens von Erzbischof Gänswein hatte sie, anders als wohl ihren Kollegen, gar nicht beeindruckt. Sie wollte jetzt die Papiere sehen. Die Kommentare der männlichen Mitfahrenden im Bus reichten von witzig bis gemein. Der Ausladeprozess ging indessen zu Ende. Aber die Mannschaft, die die bayerischen Schmankerl in den Vatikan bringen wollte, musste zurückbleiben. Der Bus musste schleunigst die Szene verlassen.

Das nächste größere Ereignis war vorausgeplant. Am nächsten Morgen fuhren wir ganz früh vom Hotel zum Vatikan, auf fast leeren Straßen. Die Stadt war besonders ruhig, der Himmel besonders blau. Es war Feiertag „Peter und Paul“ zufällig treffend auf Benedikts Priesterjubiläum. So makellos wie der Himmel und die Luft war unser Auftritt mit der Blaskapelle voraus, den Gebirgsschützen mit Fahnen und Standarten im Gleichschritt marschierend und der bunten Gruppe in bayerischer Tracht. So zogen wir von der Via della Conciliazione zum Petersplatz. Dort erwarteten uns etliche Kontrollen und Schleusen bis wir um halb neun den Dom betraten und nach der aufsteigenden Hitze draußen nicht nur die Kühle als schön empfanden. Die Kirche war prunkvoll, die Atmosphäre feierlich, die Erwartung groß. Uns wurden Plätze im Seitenschiff nahe am Altar angewiesen. Plötzlich jedoch sollten wir noch einmal umziehen. Durcheinander! Endlich saßen wir gegenüber, näher am Altar. Noch war viel Zeit. Es wurde Rosenkranz gebetet. Dann brausten Orgelklänge durch die Kirchenschiffe. Viel früher als erwartet zog Papst Franziskus ein. Die lateinische Messe begann, das Orchester und der Knabenchor musizierten. Ein extra für diesen Tag gedrucktes Büchlein führte uns auf englisch und italienisch durch die Messe. Wir sangen vieles gemeinsam. Die feierliche Stimmung umfasste uns alle. Wir wurden still. Nur schwer fanden wir dann in die Welt nach draußen, das Getriebe außen. Nach einer weiteren Stadtführung per Bus bereiteten wir uns auf den Abend vor:
Auf das dritte Ereignis, die Begegnung, die das größte Ereignis werden sollte, das eigentliche Ziel unserer Reise: der Besuch beim emeritierten Papst Benedikt XVI. Dieses Mal half uns eine friedliche, höfliche Polizistin, wir durften rückwärts umgekehrt eine Einbahnstraße hinein fahren, die uns direkt an die Grenze des Vatikans führte. Wieder formierte sich unser Zug. Mit der Musi voraus zogen wir in den stillen Vatikan. Einzelne Fenster der hohen Gebäude öffneten sich, die Nonnen winkten. Wie schön Freude zu bringen mit der Musik, dem festlichen Zug mit verschiedenen Monturen und Trachten, blumen- und federgeschmückten Hüten. Wir umrundeten den Dom und marschierten in Windungen aufwärts zum Kloster Mater Ecclesiae, dem Wohnsitz des Papstes. Und dann standen wir vor dem Tor zum Wohnhaus, zu früh. So zerstreuten wir uns in den Giardini del Vaticano, bis wir von Kurienerzbischof Georg Gänswein gerufen wurden. Wir formierten uns auf dem Vorplatz, die Türe öffnete sich. Benedikt stieg, auf beiden Seiten gestützt, die Stufen herunter und setzte sich auf einen Stuhl. Erzbischof Gänswein stand hinter ihm. Landeshauptamt Karl Steininger von den Gebirgsschützen sprach die ersten Glückwünsche, dann der Stadtpfarrer von Traunstein, der Landrat und der Bürgermeister von Traunstein, der Bürgermeister von Tittmoning und die Delegationen der Gebirgsschützen. Es wurden Geschenke übergeben, kurze Gespräche mit Benedikt XVI. geführt, Hände geschüttelt.
Die Blasmusik spielte dazwischen leise und würdevoll. Deandl und Buam aus Fischbachau tanzten einen Schuhplattler. Welch bayerisches Leben mitten im Vatikan!
Benedikt XVI. hielt eine kurze Ansprache auf bayerisch, wie immer gewandt und prägnant mit ruhiger Stimme:
“Ich möchte für alles ein herzliches Vergelt´s Gott sagen, ich fühle mich so richtig daheim, vom Chiemgau komme ich, ein Stück Chiemgau ist gekommen. Das tut mir sehr wohl“.
Nicht nur Benedikt war gerührt. Länger als erwartet hielt der gebrechlich wirkende Heilige Vater bei uns aus. Er hörte aufmerksam zu, seine Augen waren immer lebendig.
Mit ihm sangen wir die Bayernhymne und empfingen seinen Segen.
Wir spürten alle, wir hatten dem emeritierten Papst Benedikt XVI. ein Stück Heimat gebracht.

Ulrike Nußbaum
Tulpenstr. 7
83253 Rimsting
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